"Guten Morgen, mein Schatz..." - die Endlosschlaufe aus Streit und Versöhnung

Es ist noch ganz früh - der Tag hat noch nicht begonnen. Benommen wache ich auf, es fühlt sich an, als hätte ich die Nacht durchgezecht, viel getrunken und wild getanzt.

Doch dem war nicht so – nichts von Feierlichkeiten, Spass und Freude. Es war wieder einer dieser schlimmen Streits. Türen knallen, laute böse Worte, Tränen fliessen. Unnütz und zerschmetternd. Um einen Hauch von Nichts, völlig inhaltslos.

Doch nicht so die Heftigkeit. Aus einem unachtsamen Wort, aus einer unachtsamen Antwort entsteht ein Tornado, der alles zerstört. So weit entfernt voneinander, so getrennt und so unverstanden. Wo ist sie - die Liebe, die Nähe und das Gefühl, der Mann an meiner Seite kennt mich in jedem Winkel meines Seins – unverstanden, schuldig, angeklagt und verantwortlich – ich kann die vielen Bälle alle gar nicht auffangen – bin unfähig, mich überhaupt zu bewegen. Wie eine Fliege fühle ich mich an der Klatsche klebend, zerquetscht, in Stücke gerissen. Dieses Gefühl am Morgen danach, diese Katerstimmung ist nichts anderes als die „Fliegenklatsche “- Nachwehen – vermischt mit ganz viel Schuld und Reue. Frischer Kaffeeduft dringt ins Schlafzimmer und bereits einige Minuten später steht er da, mit perfektem Schaum neben der roten Rose auf meinem Nachttisch. "Guten Morgen, mein Schatz!…“


"Guten Morgen, mein Schatz..." - die Endlosschlaufe aus Streit und Versöhnung

Endlosschlaufe – diese Szenen spielen sich über lange Zeit immer und immer wieder ab. Streit, Zerstörung, Versprechungen, Geschenke, Versöhnungen. Die Gründe immer belangloser, ein falscher Blick, ein falsches Wort, eine eigenständige Entscheidung – alles Auslöser, die wie ein kleiner Funke auf trockenes Holz fallen. Ein lichterloher Brand, Feuer, das alles auffrisst. Was übrig bleibt ist jedes Mal Reue und Ärger, Unverständnis, warum es wieder so weit gekommen ist – warum es mir erneut nicht möglich war, die Eskalation zu verhindern. Schuldgefühl und den Kater danach, immer unfähiger, aus diesem Zustand heraus zu kommen. Die Fliegenklatsche wurde zum fixen Bestandteil meines Alltags und die Gefühlsbalance immer schwieriger. Gross gewachsen, klar im Auftreten, sympathisch und offen – ein Mann, in den ich mich auf den ersten Blick verliebte. Er war aufregend, in seiner Nähe fühlte ich mich geborgen. Uns gehörte die Welt - das gewünschte Glück zog ein, die Gefühle waren unglaublich, die Wolke mehr rosa kaum möglich. Doch schon kurz darauf ertrug die Zweisamkeit diese Dosis der Liebesgefühle nicht mehr. Je näher und inniger wir uns standen, desto schneller und heftiger kam die Zerstörung.

Gerade noch auf Wolke 7 und dann mitten im Nichts.

Mein Herz, bekam durch diese extremen Temperaturschwankungen Risse, ich fühlte mich so machtlos, es gelang mir nicht, in das Geschehen einzugreifen, es zu verhindern. Ich wurde immer mehr zum Opfer – eine Rolle, die ich so gar nicht mag. Doch die Liebe zu diesem Mann hat es mir unmöglich gemacht, mich anders als schuldig zu fühlen. Ich war diejenige, die ihn jeweils so in Rage brachte. Ich redete mir ein, ich müsse mich ändern, müsse anders reagieren, ihn mehr verstehen. Je weniger es mir gelang, desto mehr fühlte ich mich schuldig.

Ich ignorierte dabei meine eigenen Gefühle rigoros, denn ich konnte mich nicht mehr von meinem Schmerz, meinen Verletzungen und Enttäuschungen erholen. Das Versöhnen viel mir immer schwerer, die Klatsche löste sich kaum mehr von meinem Körper. Ich konnte die Form nicht mehr zurückgewinnen und verlor mich selbst.

„Wenn du dich permanent schuldig fühlst, obwohl dir jemand weh tut, ist deine Welt nicht mehr in Ordnung“

Das weiss ich heute – viele Jahre später. Es gibt immer zwei Seiten und ich weiss sehr gut, wie sich mein Gegenüber fühlt. Ich fühlte ihn besser als mich selbst und gab ihm alle Macht, die er sich nahm. Er nahm sie nicht mit Stärke, er nahm sie fordernd, gierig wie ein kleines Kind, dass um die Liebe kämpft, um Liebe, welche er nicht bekommen jedoch so sehr gebraucht hätte. Mein Befreiungsschlag war radikal und ein einziger, letzter Kraftakt vor dem totalen Zusammenbruch. Für uns beide existenziell und emotional ein Desaster. Es war, als riss ich mir selbst das Herz aus dem Leib – doch es war Überleben. 

Dass viele Teile von mir aber nicht überlebt haben, ist mir erst heute bewusst.

Ich war ein Nichts, ein Häufchen Elend, welches aber weiter funktionieren musste. Nach dieser ganzen Zeit habe ich selbst daran geglaubt, schlecht zu sein, ein Nichts zu sein. In mir drin war nicht mehr viel von dem übrig, was ich einmal war: Ein Schatten meiner Selbst – anders kann man es nicht beschreiben. Es war die Liebe, so fühlt es sich an. Doch das ist eine Lüge, die ich heute erkenne: wie kann etwas, was mir so nahe ist, so verletzend sein? Wie kann es sein, dass ich nicht merke, dass ich nicht alleine schuld an dem Verhalten dieses Mannes war, dass es eine Störung ist, die die Kluft zwischen Nähe und Distanz nicht schafft und sowohl das eine, als auch das andere nicht ertragen kann. Streit erzeugt Distanz – Versöhnung wieder Nähe. Streit erzeugt Aufmerksamkeit. Beachtung. Es ist eine Sucht. Eine Sucht nach Anerkennung, nach Bestätigung und nach Liebe. Es ist keine böse Absicht, es ist Bedürftigkeit, es ist Handeln aus dem Mangel heraus, aus einer inneren Leere, aus einer Unfähigkeit, das Gegenüber zu spüren. 

Meine Kundin sitzt vor mir und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht.

Die Hülle der Taschentücher ist leer. Für einmal alles zulassen, den ganzen Schmerz, die ganze Wahrheit. Die Erleichterung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Mir tut es weh, diese Geschichte zu hören, doch sie rührt mich auf eine ganz besondere Art und Weise. Der Weg aus dieser Misere? Sie hat bereits den ersten Schritt getan. Sie lässt zum ersten Mal diesen Schmerz zu, schiebt ihn nicht weg und erkennt hinter der vermeintlichen Wut auf sich selbst, dass es im Grunde eine tiefe Narbe ist, die zu heilen im Moment das wichtigste ist. Der Weg ist kein anderer als Schritt für Schritt die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Zu lernen, sich selbst wieder ernst zu nehmen und der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Nicht das Gefühl zu haben, sich von seinem Gegenüber in den Wahnsinn treiben zu lassen, dem anderen keine Macht mehr geben. Den Fokus auf sich selbst richten, Raum und Platz für das eigene Ich zu spüren und zu Stein um Stein wiederaufzubauen. Das braucht seine Zeit. 

Ein leises Schnauben lässt uns aus den Erzählungen in den Moment zurückkommen.

Eagle, mein heutiger Co-Coach findet, es ist genug. Ein kleiner Schubs und ein paar Schritte mit ihm, holen meine Kundin zurück und geben ihr festen Boden unter die Füsse. Sie lehnt sich entspannt an ihn, krault sein Fell. Es war anstrengend, doch ihr Gesicht wirkt entspannt, sie lächelt müde aber zufrieden und streicht durch die lange, schwarze Mähne. Endlich ich - es fühlt sich so wunderbar an! 

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Ich freue mich, wenn wir uns kennen lernen.